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Balance zwischen Traditionen und Moderne

Patricia Gräfin Beissel von Gymnich leitet operatives Geschäft der Burg Satzvey und eigene Eventagentur – Als Stuntfrau arbeitet die 29-Jährige für Film und Fernsehen mit Pferden – Ehrenamtliches Engagement für das Brühler Kinderhaus Schumaneck

 

Mechernich-Satzvey – „Chica“ erscheint als Erste zum Interview. Die schwarz-weiße Chug, eine Mischlingshündin aus Mops und Chihuahua, könnte von der Größe her in die Handtasche von Patricia Gräfin Beissel passen. Doch weit gefehlt. In einem Affenzahn rast die kleine Hündin am Burggraben der Burg Satzvey entlang und scheucht die träge in der Sonne dösenden Enten laut kläffend zurück ins Wasser. Die 29-jährige Patricia Gräfin Beissel, Geschäftsführerin der gleichnamigen Eventagentur, posiert indessen lächelnd vor dem historischen Burgtor für ein Foto. Sie verkörpert das, was die Burg Satzvey heute ausmacht: die Verbindung von Modernität und althergebrachten Traditionen.

„Ich bin zwar Gräfin, aber ich wurde dort hineingeboren und fühle mich, wie jede andere junge Frau auch.“ Als Jugendliche, berichtet Patricia Gräfin Beissel von Gymnich, sei es ihr schwer gefallen, mit ihrem Titel umzugehen. Auf dem Gymnasium wurde sie aufgrund ihres Namens gemobbt, neue Leute kennen zu lernen ohne direkt als „die Gräfin“ abgestempelt zu werden, war schwierig. Im Dorf ist die Familie bekannt, auch Presse und Kamera gehören zum Leben auf der Burg dazu. „Da kann man nicht einfach mal schlecht gelaunt den Müll runter bringen.“ Erst als Studentin in Köln hatte sie die Möglichkeit, anonymer zu wohnen und sich schlicht als „Patricia“ vorzustellen. Heute trägt die 29-Jährige ihren Titel als Teil des Namens und auch als Firmennamen. Einen Teil der damit einhergehenden Verantwortung hat sie ebenfalls schon übernommen: Vor knapp zwei Jahren übergab Vater Franz Josef ihr das operative Geschäft der Burg Satzvey. „Es ist toll, dass mein Vater mir das Vertrauen schenkt, diese Arbeit weiterzuführen.“

Mit der Eventagentur „Patricia Gräfin Beissel – Konzepte und Entertainment“ übernimmt die junge Gräfin Planung, Organisation und Ablauf von Veranstaltungen von der Hochzeitsfeier über Firmentagungen bis zum Gruseldinner auf der Burg. Mit ihrer Arbeit trägt sie dazu bei, Burg Satzvey weiter zur Eventlocation auszubauen und mit Veranstaltungen von der Irischen Nacht mit Musik und Tanz über die Gruselnächte rund um Halloween bis zur groovigen Blues Night die verschiedensten Zielgruppen anzusprechen. „Wenn die Ränge voll und die Kunden zufrieden sind, dann bestärkt uns das in dem Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein“, so die Gräfin.

„Erhaltung durch Unterhaltung“, sei früher das Motto ihres Vaters gewesen ­– und auch die Tochter möchte es so beibehalten. Denn den Erhalt und die Pflege von Burg und Grundbesitz muss die Familie selbst finanzieren. So wurde die Burg vor mehreren Jahrzehnten schon zum Veranstaltungsort aufgebaut – beginnend unter anderem mit den beliebten Ritterspielen. Damit ist auch die junge Gräfin aufgewachsen, bildete schon im Alter von 16 Jahren selbst Stuntpferde aus und steht bis heute selbst als Stuntdouble für Film und Fernsehen vor der Kamera.

Gemeinsam mit Thorsten „Loki“ Loock hat sie die Team- und Produktionsleitung der „Ritter der Burg Satzvey“ inne, die nicht nur die jährlichen Ritterfestspiele prägen, sondern auch deutschlandweit sowie im benachbarten Ausland auf Mittelalterturnieren und an Filmsets unterwegs sind. Für das Team sei es wichtig, dass man menschlich zusammenpasse und freundschaftlich miteinander verbunden sei. „Das strahlt das Team aus und das sieht auch der Zuschauer“, erklärt die 29-Jährige, die dieses Jahr unter dem Titel „Schurke oder nicht Schurke“ zum ersten Mal die Rolle einer der „Bösen“ bei den Ritterfestspielen verkörpert.

Schon von frühester Kindheit an suchte die junge Gräfin die Nähe zu Pferden. „Ich glaube, ich konnte schneller reiten als sicher laufen“, lacht die sportlich in Jeans und Poloshirt gekleidete Gräfin. Später erlernte sie das Trickreiten– dabei steht sie auf dem Pferd, reitet rückwärts oder lässt sich vom Rücken des Pferdes herunter hängen. Sportlichkeit und Vertrauen in das Team sind dabei unerlässlich. Neben dem tiefen Vertrauen in das Tier sollte der Reiter aber auch immer eine gesunde Skepsis beibehalten, erklärt die erfahrene Reiterin. Patricia Gräfin Beissel von Gymnich arbeitet derzeit mit drei Pferden. „Tequlia“ kann auf Befehl steigen, den spanischen Schritt vorführen und sogar einen Knicks machen. Für das neueste Kunststück tippt Reiterin Patricia ihm auf die Lippe und sagt „Smile“, damit er die Oberlippe zu einem Lachen hochzieht. In Zukunft möchte die 29-Jährige auch gerne Kurse in der Pferdeausbildung anbieten. So beschäftigt sie sich etwa mit der Sensibilisierung der Tiere. „Wie gewöhnt man Pferde – die ja schließlich Fluchttiere sind – zum Beispiel an Feuer“, formuliert sie eine der Fragestellungen.

Während sie vom Vater in das Geschäft auf der Burg eingeführt wurde, lernte Patricia von Mutter Jeanette das soziale Engagement. Seit vielen Jahren ist sie mit dem Kinderhaus Schumaneck in Brühl verbunden. „Das ist schon mein ganzes Leben ein Teil von mir.“ Sie hat sich bereits auf vielfältige Weise eingebracht – beim Ponyreiten mit Kindern, bei der Begleitung von Ferienmaßnahmen und später auch als Assistenz der Geschäftsleitung. Heute versucht sie vor allem Spenden für das Kinderhaus zu generieren – eine Aufgabe, bei der ihr Name auch manchmal Türen zu öffnen vermag.

Zwischen Traditionen und neuen Anforderungen, Erwartungen von außen und eigenen Vorstellungen, zwischen Arbeit und Ehrenamt versucht Patricia Gräfin Beissel von Gymnich, sich selbst treu zu bleiben. „Ich möchte aufgrund meines Tuns und meines Charakters bewertet werden. Es geht nicht um meinen Namen, sondern um meine Leistung“, sagt sie.

 

pp/Agentur ProfiPress

Bildquellen:

  • Patricia Gräfin Beissel: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

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