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Gedenkfeier der Gesamtschule Weilerswist zur Reichspogromnacht

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Mit einer Ansprache der Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst begann eine bemerkenswerte Gedenkfeier, die der siebte Jahrgang der Gesamtschule Weilerswist unter der bewährten Federführung von Gaby Gardthausen organisiert hatte.

Erleuchtet von zahllosen Lichtern verlasen fünf Schülerinnen und Schüler die Namen der Weilerswister Opfer des Holocaust, bevor man sich auf den Weg zum Forum der Schule machte.

Nach der Lektüre des Romans „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hatten sich die Siebtklässler – nicht zuletzt aufgrund aktueller Geschehnisse – den Schlusssatz des Werkes als Motto ausgesucht: „

,,Natürlich geschah dies alles vor langer Zeit, und etwas Ähnliches könnte nie wieder passieren. Nicht in diesen Tagen. Nicht in diesem Zeitalter.“

 „Hoffentlich…“, so kommentierte eine Vielzahl der Besucher diesen Gedanken, unter dessen Eindruck das Bühnenprogramm entstanden war, das die Schülerinnen und Schüler sich mit ihren Tutoren ausgedacht hatten. Schulleiter Stephan Steinhoff begann mit seiner eindringlichen Ansprache an die Jugendlichen über die Wichtigkeit des Nichtvergessens, bevor er die Moderation an die Kinder abgab.

Die Gedanken des christlichen Theologen und Widerstandkämpfers Martin Niemöller hatten eine Klasse inspiriert, wort- und bildsprachlich darzustellen, was geschieht, wenn vermeintlich „andere“ aussortiert werden, ohne dass der einzelne sich wehrt. Die Konsequenz sind Einsamkeit und Machtlosigkeit gegen das Böse, während der Zusammenhalt, das gemeinsame Aufbegehren gegen Rassismus und Feindschaft selbiges durchaus zu besiegen in der Lage ist.

Die Reichspogromnacht wurde von einer weiteren Gruppe vor und hinter großen Davidsternen beleuchtet. Die Empfindungen der Verfolgten erfuhren durch die Gegenüberstellung der fehlenden Empathie von Nazis und Mitläufern noch einmal eine andere Dimension.

Zwei weitere Klassen hatten sich den oben genannten Roman von John Boyne vorgenommen. Zunächst wurde eine Szene daraus nachgespielt. Bruno, die Hauptfigur, lernt unwissend im KZ Auschwitz einen inhaftierten jüdischen Jungen kennen, dem er in seiner Naivität aus Freundschaft bis in den Tod folgt. Sodann machten die Schülerinnen und Schüler sich und dem Publikum klar, was Bruno (und damit viele Menschen) damals nicht wussten, hofften oder glauben wollten.

Mit einer Klangwolke aus Worten der Achtsamkeit, die die Worte der Hetze besiegte, leiteten die Moderatoren über zum Thema „Vorurteile gestern und heute“. Und mit einem Male war sich das Publikum des gewollt naiven Boyne-Zitates nicht mehr so sicher – und mit dem Bewusstsein, dass das „Nie wieder“ ein dauerhafter und nie zu vernachlässigender Denk- und Handelsprozess ist, der das entsprechende Lippenbekenntnis am besten gestern ersetzen muss, verließen zahlreiche Besucher beeindruckt das Forum.

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