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Lebensgefährliche Expedition durch die Wüste

Wüstenfilmnacht bei der Lit.Eifel – Dietrich Schubert zeigte Dokumentarfilme über europäische Abenteurer und Forscher – Literaturfestival erstmals in Rheinland-Pfalz

 

Hillesheim – Erstmals verließ die Lit.Eifel jetzt Nordrhein-Westfalen – sieht man einmal von den Lesungen in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ab. In Hillesheim im benachbarten Rheinland-Pfalz gastierte das Literaturfestival mit zwei Dokumentarfilmen des bekannten Filmemachers Dietrich Schubert. Rund 60 Besucher sahen „Die Reise ins Tibesti“ über den Afrikaforscher Gustav Nachtigal (1823-1885) und „Spuren in der Sahara“ über die Niederländerin Alexandrine Tinne (1835-1869).

Für Europäer ist die Sahara der Inbegriff der Wüste. Es gibt viele Sprichwörter und Sentenzen über die mit neun Millionen Quadratkilometer größte Trockenwüste der Erde. Einige dieser Sprüche aber sind zugleich Warnungen. Joachim Starke, Projektleiter der Lit.Eifel zitierte sie vor Beginn des Filmabends im Hillesheimer Kino „Eifel Film Bühne“. „Wer in die Wüste geht und wiederkehrt, ist nicht mehr derselbe“ heißt ein arabisches Sprichwort. Es wurde in der Folge an diesem Abend gleich mehrfach bestätigt.

Als sich Gustav Nachtigal im Juli 1869 auf seine Expeditionsreise durch die Sahara und das Vulkangebirge Tibesti im Tschad machte, konnte er nicht ahnen, dass er die Reise fast mit dem Leben bezahlen würde. Ähnliches allerdings kam auf die Expedition des zehnköpfigen Teams um Dietrich Schubert zu, 130 Jahre später und in Jeeps statt zu Fuß.

Die Bilder, die Schubert unterwegs drehte, sind beeindruckend. Sie zeigen endlose und gewaltige Wüstenlandschaften, in denen Jeeps und Menschen aussichtlos verloren wirken. In dieser radikalen Kahlheit, in der die Horizontlinie keinen Anhaltspunkt mehr bietet, kam das Team Mitte der 1990er Jahre nur dank guter Karten, der Ortskenntnis Einheimischer und früher GPS-Unterstützung voran. Hilfsmittel, die Nachtigal 130 Jahre zuvor nicht hatte. Beide Teams näherten sich schließlich dem Stammesgebiet der Tubu, südlich des Tibesti, dem höchsten Gebirge der Sahara.

Dort, nahe Bardais, war Nachtigal damals festgenommen worden und konnte erst nach mehrmonatiger Gefangenschaft fliehen. Unter abenteuerlichen Bedingungen erreichte er die Küste. Nachtigal starb auf der Rückfahrt am Bord eines Schiffes. 130 Jahre später geriet auch Schuberts Filmteam bei der Nachverfolgung der Route Nachtigals nahe Bardais in Gefahr. Eines Nachts wurde aus den Reifen der Jeeps die Luft gelassen, die Ventile wurden gestohlen. Eine bewaffnete Bande bedrohte die Filmexpedition mit dem Leben, alternativ verlangte sie alles Bargeld. Am Ende kam Schuberts Team mit dem Schrecken davon – Ersatzventile waren in den Jeeps versteckt.

„Spuren der Sahara“, der zweite Film des Lit.Eifel-Kinoabends, schildert Schuberts erneute Reise in die Sahara. Dieses Mal auf den Spuren der niederländischen Erbin und Abenteurerin Alexandrine Tinne. Tinne machte sich mit Anfang 30 Mitte der 1850er Jahre auf die Reise durch die Sahara zu den Tuareg, die sich allen europäischen Annäherungsversuchen widersetzten. Schuberts Film über Tinnes Expedition hatte 2007 Premiere, der Filmemacher folgte ihren Spuren bis nach Libyen, wo Tinne 1869 ermordet wurde.

Beide Dokumentarfilme bedienen keine Afrika-Klischees à la „Jenseits von Afrika“. Stattdessen lässt Schubert die Naturaufnahmen und die Abenteuer wirken. Ergänzend wirkt dokumentarisches Material, kommentiert werden beide Filme von einem sachlichen Erzähler, der beide Ebenen, die Spurensuche Schuberts wie die Originalreise, verbindet.

Auch der Filmemacher wagte ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang und ließ sich auf das Wechselspiel aus Erfahrung der Fremde und  Einsamkeit in der Wüste und der Selbsterfahrung ein. Er verbrachte 35 Tage alleine in einem Zelt in der der südmarokkanischen Wüste. „Der erste Besucher, ein Araber mit drei Kamelen, kam nach13 Tagen“, so Schubert. Einen Kurzwellenempfänger hatte er zwar im Zelt, „doch der blieb ausgeschaltet.“ Stattdessen fand Schubert über diese Selbstaussetzung zu sich selbst. „Man träumt auf einmal anders, viel realer, und ich, der ich ein Flüchtlingskind bin, dachte oft an meine Kindheit zurück. Diese Erfahrungen haben mich mehr verändert als alle Winde und Sandstürme, die um mein Zelt tosten!“ „Allein die Wüste“ heißt der Film, der so entstanden ist.

pp/Agentur ProfiPress

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  • stefan-lieser-hillesheim-liteifel: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

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