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Veranstalltung im Bestattungshaus Ernst

Zuletzt aktualisiert am 7. Mai 2018 22:10 Uhr von Presse-Eifel

Über einhundert Besucher konnte Marcel Ernst, am vergangenen Samstag in der Trauerhalle des Bestattungshauses Ernst in Kommern begrüßen. Im Unterschied zu den üblichen Anlässen, welche in einer Trauerhalle stattfinden, durfte jedoch am diesen Abend herzlich gelacht, geschunkelt und mitgesungen werden.

 

Das Bestattungshaus Ernst in Kommern öffnete an diesem Abend wiederholt seine Räume für eine kulturelle Darbietung. „Damit leisten wir regionale Hilfe, denn sämtliche Eintrittsgelder und der Erlös der verkauften Getränke geht an die Hilfsgruppe Eifel – Hilfe für leukämie und tumorerkrankte Kinder“, so Ernst.

 

„Stellen sie sich vor, sie säßen in einem wilhelminischen Zug der Kaiserzeit. Ich hoffe, Sie sitzen bequem. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie nun eine Reise von Köln nach Berlin. Lassen Sie sich vom Humor und der Musik aus der guten, alten Zeit verzaubern“, so führte Johnnie Wegmann in Frack und Zylinder in den Abend.

Neben Stefan Kupp am Klavier, bilden die beiden Kaller Künstler das Intermezzotheater, welches nun zum ersten Mal in Kommern gastierte.

 

Mit witzigen, satirischen und zweideutigen Liedern, über die schon die Eltern und Großeltern Freudentränen lachten, wurden die beiden großen Künstler Willi Ostermann (Köln) und Otto Reutter (Berlin), in Kommern, für zwei Stunden wieder lebendig.

Mit verschmitzen lächeln und unnachahmlicher Mimik und voller Gestik bot Johnnie Wegmann die unverwechselbare Mischung aus Zeitkritik, Alltagsbetrachtungen in „kölscher Mundart“ und „Berliner Schnauze“ dar.

 

Manch ein Besucher wunderte sich sichtlich über die teils mehr als 100 Jahre alten deftig, frivolen Texte, die bis auf den heutigen Tag anscheinend zeitlos geblieben sind. So wurden spitzsinnig sensible Themen aus der Nachbarschaft, der Verwandtschaft oder gar der höheren Gesellschaft auf’s Korn genommen. Selbst die zwischenmenschlichen Hürden des Liebes- und Ehelebens bis hin zum Leben nach der Scheidung, wurden von Ostermann und Reutter umschrieben und von Wegmann, über 100 Jahre später wieder ins Leben gerufen.

Selbst der Tod wurde thematisiert. Kurzerhand gab es von Otto Reutter aus einem Couplet fünfzehn persönliche Tipps, was man alles zu regeln und erledigen hätte „Bevor du sterbst“.

 

Da sich wohl kaum jemand, jemals Gedanken über den Hintergrund dieser alten Liedtexte gemacht haben wird, kam der Abend einer heiteren Geschichtsstunde gleich, in der zeitgenössisches sowie biografisches von Ostermann und Reutter das Publikum erfreute.

Was geschah, wenn ein Verwandter Kaiser Wilhelms mit einer einfachen Kölner Marktfrau ein „Fisternöllchen“ anfing und aus diesem sogar ein kleiner Nichtadeliger entsprang?

In jeder gesellschaftlichen Schicht wurde getuschelt und gemutmaßt. Der Adelige hatte keine andere Wahl, zeigte sich großzügig und baute seiner Geliebten, weit weg vom Schuss, ein Haus. So entstand das Lied:

„Jetz hät dat Schmitze Billa en Poppelsdorf en Villa“. Gemeint ist der heutige Bonner Stadtteil Poppelsdorf.

Weshalb Ostermann gerade Poppelsdorf als neue Heimat ersann, offenbarte sich nun dem aufmerksamen Zuhörer.

 

Gerade, weil Otto Reutter’s Lieder dem Rheinländer etwas unbekannter gewesen sein durften, hatten die Zuhörer bei seinen doppeldeutigen, ironischen und scharfzüngigen Texten Tränen vor Lachen in den Augen.

 

Zum Ende der Veranstaltung fragte Marcel Ernst das Publikum, ob man sich selbst nicht auch, während der Vorführung heimlich gewünschte hätte, mit den befreundeten Herren Ostermann und Reutter zur damaligen Zeit in einem Kölner Brauhaus das ein oder andere Kölsch zu trinken, welches einstimmig bejaht wurde.

 

Nach drei Zugaben und stehendem Beifall wurden die beiden Künstler verabschiedet. Anschließend stand man noch lange bei kühlen Getränken und Snacks in netter Gesellschaft beisammen.

 

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