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Früher Callcenter, jetzt Flüchtlingsheim

Zuletzt aktualisiert am 15. September 2015 21:43 Uhr von Presse-Eifel

DRK baut ehemaliges DHL-Verwaltungsgebäude im Eiltempo zu Notunterkunft um – Erste Flüchtlinge bereits im Anflug

Euskirchen – Es herrscht noch rege Betriebsamkeit am ehemaligen DHL-Gebäude an der Thomas-Eßer-Straße. Vor dem Eingang werden noch Bäume gefällt, innen müssen noch einige Sicherheitsauflagen erfüllt werden. „Wir sind noch nicht ganz betriebsbereit“, sagt auch Udo Crespin, Beauftragter des Euskirchener Krisenstabs in Sachen Flüchtlingsaufnahme. Die Fertigstellung steht jedoch unmittelbar bevor.

„Sobald wir die Vollendung der Umbauarbeiten verkünden, werden die Busse mit den ersten Bewohnern nicht mehr lange auf sich warten lassen“, prophezeit Rolf Klöcker, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz im Kreis Euskirchen, das die Notunterkunft betreibt. Zwei Katastrophenschutzeinheiten, also insgesamt 50 Helfer, waren am vergangenen Wochenende zugange, um im Eiltempo das frühere DHL-Verwaltungsgebäude zu einer Notunterkunft umzufunktionieren.

„Von Seiten der Stadt ein großes Lob an die Rotkreuz-Einheiten. Ihr großes Engagement war uns bei den schnellen Umbauten eine erhebliche Hilfe“, sagt Johannes Winckler, Erster Beigeordneter der Stadt Euskirchen. Erst eine Woche zuvor, am 6. September, hatte die Bezirksregierung Köln eine Verfügung an alle im Bezirk liegenden Kreise verschickt: Leer stehende Gebäude sollten auf ihre Tauglichkeit zur – zumindest vorläufigen – Flüchtlingsaufnahme geprüft werden. Den Schlüssel erhielten die DRK-Kräfte erst am Samstag. Wie Johannes Winckler erklärte, sei die Aufenthaltsdauer der Flüchtlinge auf etwa acht Wochen beschränkt, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden sollen.

Wo also früher Büroräume und Callcenter ihren Platz hatten, sollen so bald wie möglich geflohene Menschen aus Syrien, Eritrea, dem Irak und weiteren Krisen- und Kriegsgebieten einquartiert werden. Bis zu 250 Menschen würden hier aktuell eine Bleibe finden. Doch dabei bleibt es voraussichtlich nicht: „Geplant ist eine stufenweise Erweiterung unserer Kapazitäten auf bis zu 500 Schlafplätze.“ sagt Udo Crespin, der außer seiner Leitung der Koordinierungsgruppe auch das Amt des Kreisbrandmeisters innehat. Doch auf die Schnelle ist das nur schwer möglich, weshalb auf den derzeit hergerichteten 33 Zimmern vorerst nur die Hälfte aufgenommen werden kann.

Diese wirken auf den ersten Blick äußerst spartanisch. Vier bis zehn Schlafplätze in jeweils zweistöckigen Betten sowie eine Biertischgarnitur als Sitzgelegenheit pro Zimmer aus DRK-eigenem Bestand, Regale und Schränke fehlen noch. „Es geht vorerst nur darum, die Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren“, so Udo Crespin. Herbert Schmitz von der DRK-Kreisbereitschaftsleitung fügt hinzu: „Über kurz oder lang werden wir hier natürlich noch etwas umgestalten müssen.“

Ein größeres Problem sind die sanitären Anlagen: „Duschen gibt es hier keine – und auch Toiletten sind eher rar gesät“, so Rolf Klöcker. Wegen des plötzlichen Flüchtlingsansturms sind auch Notfalleinrichtungen hier nicht möglich, wie auch Herbert Schmitz meint: „Normalerweise könnten wir einfach Duschcontainer abstellen – doch aktuell sind die einfach nicht verfügbar.“ Zu viele davon seien derzeit schon in anderen Flüchtlingsunterkünften in Gebrauch, der Markt dafür praktisch leer.

Deshalb müssen vorerst die Duschen im nahegelegenen Schwimmbad an der Max-Ernst-Schule verwendet werden – ein Pendelverkehr wird eingerichtet. Damit das auch das größte Problem bleibt, sagt Rolf Klöcker: „Wir sind hier rund um die Uhr im Einsatz.“ Das DRK betreibt schon in Schleiden-Gemünd eine Notunterkunft, Neuland ist das für die Rotkreuzler jetzt also nicht mehr.

Doch der Aufwand, in Form von beispielsweise Reinigung, Catering oder Security, hat auch seinen Preis. „Für die Bewältigung der Flüchtlingskrise sind wir jederzeit für Hilfen dankbar – egal, ob in Form von Sach-, Zeit- oder Geldspenden.“ Und auch Udo Crespin meint: „Jetzt ist es an der Zeit zu sagen: Wer helfen kann, bitte helfen!“ Informieren kann man sich unter der Telefonnummer 0 22 51/79 11 84, per Mail unter helfen@drk-eu.de, per Facebook unter www.facebook.com/drkeu und auf der Website www.helfen.drk-eu.de.

pp/Agentur ProfiPress

Bildquellen:

  • DRK Notunterkunft Innen: Felix Kern/pp/Agentur ProfiPress

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